Minicomboio da Caparica – Strand-Hopping mit der Bimmelbahn!

Olá meus amigos – Willkommen an Bord zu einer neuen Reise. Das Jahr ist nun nicht mehr so jung, mittlerweile schreiben wir den März – Perfekt für einen weiteren Ausflug an den Strand, oder nicht? Heute nehme ich euch einmal mehr nach Portugal mit. Doch diesmal begeben wir uns weder in ein Flugzeug noch in ein Auto. Heute legen wir die letzten Meter zum Sand in der Minicomboio da Caparica zurück. Das ist eine kleine Schmalspur-Bahn, die sonnenhungrige Menschen vom südlich von Lissabon gelegenen Costa da Caparica an herrliche Strände (und Strand-Bars) bugsiert. Also: Fahrkarten bitte! Es geht los.

Cacilhas, Almada und der Cristo Rei!

Um an unser Ziel zu gelangen, steigen wir morgens zuerst am Bahnhof Cais do Sodré in eine Fähre, die uns an den südlichen Rand des Tejo bringt – nach Cacilhas, einer kleinen Hafengemeinde. Die Fähre bietet einen tollen Blick auf die Ponte 25 de Abril (die ein wenig an die Golden Gate Bridge erinnert) und auf die portugiesische Hauptstadt. Deswegen kann ich es nur empfehlen, nicht mit dem Auto überzusetzen, zumal ein Fährenticket mehr als erschwinglich ist.

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Während wir über dem Tejo schippern genießen wir einen herrlichen Blick auf Lissabon
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Unsere Fähre. Dieses Modell ist von älterer Bauart und strahlt typisch in einem Orange-Rot. Bis vor ein paar Jahrzehnten tuckerten diese Kähne noch in Hamburg herum!
Die Statue des Cristo Rei in Almada
Cristo Rei

Wir erreichen Cacilhas und begeben uns an das Bus-Terminal. Ganz in der nähe befindet sich übrigens eines der wohl bekanntesten Wahrzeichen von Lissabon und Umgebung. In Almada thront nämlich der Cristo Rei – das ist eine riesige Jesus-Statue die 113m über den Tejo ragt.

Im Jahre 1934 besuchte der Erzbischof von Lissabon Dom Manuel Gonçalves Cerejeira Rio de Janeiro, damals noch Hauptstadt Brasiliens. Die dortige Cristo-Redentor-Statue beeindruckte ihn nachhaltig, sodass er den portugiesischen Episkopat überzeugen konnte, ein ähnlich Bauwerk zu errichten. Die Bischöfe schworen sich daraufhin, den Cristo Rei zu bauen, wenn Portugal vom zweiten Weltkrieg verschont blieb!

Doch genug der Geschichte. Wir wollen schließlich an den Strand und zur Minicomboio da Caparica, nicht wahr? Der Weg an die Küste führt uns mit dem Bus an allerlei trostlosen Städten vorbei. Von der Schönheit Lissabon ist hier wenig zu sehen. Auch unsere erste Zwischenetappe, die Stadt Costa da Caparica, zeichnet ein Bild von Plattenbausiedlungen, Geschäften die ihre besten Tage längst gesehen haben und einer älteren und recht armen Bevölkerung. Heute zählt der Ort, der zur Gemeinde Almada gehört, etwas mehr als 13.000 Einwohner.

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Im richtigen Licht haben auch Plattenbauten etwas schönes

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Minicomboio da Caparica – Die Transpraia-Linie!

Fast hätten wir uns von diesem tristen Eindruck täuschen lassen. Wir machten uns, an verschiedenen Trödelmärkten die ominöse Ware und gefälschte Sportartikel feilbieten vorbei, auf den Weg in Richtung Wasser. Mangels Auto suchten wir eine Alternative um diesen doch recht langen Teil der Atlantikküste zu erschließen. Wir stellten uns auf einen langen Fußmarsch ein. Doch zu unserer Überraschung trafen wir auf etwas, was wir so noch an keinem Strand gesehen haben: die Minicomboio da Caparica! Das ist eine kleine gelbe Bimmelbahn, die vom ersten Strand in Costa da Caparica 9 Kilometer immer weiter gen Süden führt, bis zu ihrer Endhaltestelle, dem Strand Fonte da Telha. Eine willkommene Überraschung. Wir lösen beim Kontrolleur ein Ticket für 4,50€ und nehmen Platz. Bevor die Fahrt los geht, hier noch einige Infos über die Schmalspur-Eisenbahn:

  • Die Transpraia-Linie wurde in den Jahren 1960-62 für Touristen erbaut
  • Die Minicomboio da Caparica schlängelt sich in neun Kilometern von der Start-Haltestelle Nova Praia in den Süden an die Endstation Fonte da Telha
  • Insgesamt 15 Haltestellen werden bedient
  • Die Linie führt durch die Dünen an zahllosen Strandbars vorbei
  • Transpraia – Transportes Recreativos da Praia do Sol Lda ist die Betreibergesellschaft

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Früher hielt die Linie direkt in der Stadt Costa da Caparica. 2007 wurde diese nördlichste Station jedoch abgerissen, weswegen die Fahrgastzahlen um ganze 60 Prozent nach unten sackten. 2008 wurden die ersten Stimmen laut, die Linie komplett einzustellen. Das passierte gottseidank nicht. Es gibt heute wieder Überlegungen, die Bahn an das öffentliche Nahverkehrssystem anzubinden.

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In einem knalligen Gelb begrüßte uns die Bimmelbahn!
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Die Plätze sind einfache Holzbänke – Sie erfüllen ihren Zweck und sind allemal bequemer als Kilometerlang durch den Sand zu stapfen

Los gehts! In gemütlichem Tempo fahren wir den Stränden entgegen. Das System ist denkbar einfach. Springt einem spontan eine Strandbar des Gefallens ins Auge, so läutet man an einer Klingel und der Fahrer hält an. Möchte man aufsteigen, so kann man auch Abseits der geplanten Halte einfach ein Handzeichen machen und fährt per Anhalter los! Hier ein kleines Video zur fahrt mit der Minicomboio da Caparica! 

 

Die dem Atlantik zugewandte Seite erinnert uns fast ein wenig an die Nordsee. Die andere Seite hat eher brasilianisches Flair.
Die Wolken hingen zu dieser Zeit sehr tief und tauchte den Strand und die Baumwipfel in einen leichten Nebel – Toll!

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Endlose Dünen und lange Stege – Schön anzusehen!
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Tiefhängende Wolkenschwaden schaffen eine einzigartige Atmosphäre

Wir erreichen eine Strandbar die uns gefällt und tanken etwas Sonne, als sich die Wolken ein wenig verziehen und besorgten uns ein paar Snacks und Getränke in der Hütte. Wir liegen einige Stunden am Strand und genießen das Klima und unser Leben. 🙂

 

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Wir machen uns auf den Heimweg, zurück in Richtung Costa da Caparica und letztendlich Lissabon. Die Bahn ist nun gut gefüllt.
Auf dem Rückweg fallen uns die zahlreichen schönen Strandhütten ins Auge. So ein Tag am Strand macht durstig. Zu unserer großen Freunde hat eine große Getränkefirma beschlossen, uns über ihre Promoter mit gratis Somersby Cidre zu versorgen!

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Der Kontrolleur überprüft die Fahrscheine der zugestiegenen!
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Bunt gestrichene Strandhäuser aus Holz, die ein wenig Nordeuropäisches Flair an den Atlantik bringen
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Hier steht etwas von einem toten Hund – Ganz übersetzen kann ich es nicht
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Alle paar hundert Meter liegen kleine Boote am Strand – Diese sind in alle möglichen Farben getaucht. Hier sonnt sich Yuri ein wenig im Sand!

Hiermit ist unser Tag am Strand leider vorbei. Wir verlassen die Bahn und machen uns auf dem Weg Richtung Stadtzentrum um mit dem Bus zurück zum Hafen zu fahren. Wir sind um eine tolle Erfahrung reicher und haben Kraft getankt um Lissabon am nächsten Tag weiter zu erkunden! Ich bin froh, die Minicomboio da Caparica so zufällig entdeckt zu haben. Manchmal liegen die größten Schätze an Orten an denen man es am wenigsten erwartet.

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Der Hafen von Cacilhas. Über dem Restaurant befindet sich eine Tanzschule in der wir ältere Ehepaare beim vergnügten Tanzen zuschauen. Aus den Lautsprechern dröhnt traditionelle portugiesische Folklore. Es war herrlich zu sehen, wie viel Lebensfreude in diesen Menschen steckte, trotz der mehr als schwierigen wirtschaftlichen Situation Portugals, die sich besonders an Orten wie diesen bemerkbar macht

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Reisebericht wieder ein wenig aus eurem Alltag reißen, und unseren schönen Tag mit euch teilen konnte. Wenn ja, dann teilt diesen Artikel gerne mit euren Freunden bei Facebook oder besucht mich bei Instagram – Ich würde mich sehr freuen und ihr würdet mich wirklich sehr unterstützen!

Bis bald, happy landings

Euer Aaron

 

 

21 Gedanken zu „Minicomboio da Caparica – Strand-Hopping mit der Bimmelbahn!

  • 26. April 2016 um 14:22
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    Danke für diesen sehr stimmungsvollen Bericht, der wieder mein Fernweh nach dem wunderschönen Lisboa befeuert hat. Jetzt gibt es eine Attraktion mehr, die ich beim nächsten Mal unbedingt mitnehmen muss! Hoffentlich sehr bald!

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    • 26. April 2016 um 20:17
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      Vielen Dank für die netten Worte – Freut mich sehr, dass der Bericht dir gefallen hat. Ich habe auch wieder Lust 🙂

      Antworten
  • 5. April 2016 um 15:54
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    Wieder ein schöner Reisebericht mit wunderbaren Bildern !!! Die letzten haben fast etwas poetisches, aber auch der “Plattenbau” ist toll. Gefällt mir alles sehr 🙂

    Antworten
  • 27. März 2016 um 13:59
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    Tolle Bilder! Da bekommt man richtig Lust auf eine Reise nach Portugal ✈️☀️.

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  • 11. März 2016 um 13:25
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    dir geht’s gut! War 1986 für 5 Wochen in Brasilien, hatte damals einen Airpass von Varig,

    Antworten
  • 7. März 2016 um 17:16
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    schade, dass ich deinen Bericht nicht gelesen habe, bevor ich (vor Jahren) in Lissabon war. Ich wusste nichts von der Bahn. Schön dein Bericht!

    Antworten
  • 3. März 2016 um 23:18
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    Deine Berichte sind echt Klasse! Da hat man immer das Gefühl, man würde da mit dir mitreisen 🙂 Einfach schön!

    Antworten
    • 5. März 2016 um 1:52
      Permalink

      Vielen Dank – Dann habe ich mein Ziel erreicht 🙂 Das freut mich! Ein schönes Wochenende wünsche ich!

      Antworten
  • 2. März 2016 um 14:57
    Permalink

    Danke, Aaron,
    für den wunderschönen Reisebericht und den Fotos!
    Liebe Grüße, Elke

    Antworten
  • 2. März 2016 um 9:13
    Permalink

    Schöner Bericht mit tollen Fotos, welche nicht die üblichen Postkartenbilder sind. Insbesondere das Foto vom Restaurant ist grandios!

    Antworten
    • 2. März 2016 um 10:23
      Permalink

      Danke vielmals, schön, dass es dir gefallen hat. 🙂

      Antworten
  • 2. März 2016 um 7:22
    Permalink

    Dazu fällt mir gleich ein Gedicht von mir ein:

    Nun steh ich hier,
    mit blauem Himmel über mir
    sanft fegt Wind kleine Wolken fort
    und spielt mit meinem Haar
    wunderbar fallen Träume
    mit Lust aus meiner Brust
    sie fallen in diesen Ort
    aus Stille
    mein Wille
    zaubert mich her….

    LG, Edith

    Antworten
  • 1. März 2016 um 22:41
    Permalink

    Als “alter” Portugal-Fan seit über 20 Jahren habe ich mich sehr gefreut über diesen Beitrag

    Antworten
    • 1. März 2016 um 23:40
      Permalink

      Das freut mich sehr – Danke für deinen Besuch! 🙂

      Antworten

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